Ein Schloss und ein Stück vom Paradies

Lettland, Roadtrip

Reisezeit: September 2017

Nach drei Tagen verließen wir Riga Richtung Rundale. Das erste Stück war Stadtautobahn und entsprechend gut zu fahren. Danach kamen wir auf kleinere Straßen, auf denen kaum Verkehr war. Oft handelte es sich dabei um Schotterstraßen. Es schien keine Sonne, aber es war trocken, und so staubten wir ganz schön beim Fahren. Mobi hatte nach dem Tag eine neue Farbe. Auf unserer gesamten Reise haben wir immer wieder Baustellen passiert, die kilometerlang waren und in denen immer wieder Teile ampelgeregelte Gegenverkehrsstreifen waren.

In Rundale steht eines der schönsten Schlösser Lettlands. Der Prunkbau wird auch Klein-Versailles genannt und hat sich den Spitznamen verdient. Wir machten die kleine Besichtigung durch einige Räume. Räume die vor Prunk und Schein glänzen, protzen – wie in den anderen europäischen Schlössern. Im Restaurant stillten wir unseren Hunger. Es war eine komische Szene, denn die ehemalige Küche strahlte wenig Flair aus, das Service wollte aber so gehoben sein, dass die Kellner weiße Handschuhe trugen. Und wir? Wir waren in der Campingkluft dort 🙂 Nach dem Essen schauten wir uns noch den Garten an. Es ist der einzige französische Garten in Lettland. Zu unserem Glück fuhr die kleine Bahn auch nur mit uns beiden durch den Park. Wir freuten uns und waren überrascht, dass uns die Fahrerin sogar einiges Interessantes über den Park erzählte. Sie sprach mit Freude in der Stimme und diese Fahrt mit dem Bummelzug durch den Garten war unser Highlight vom Schloss Rundale.

Riga
Ziemupe

Ein idyllischer Camping mitten im Nationalpark für alle die basic lieben

Schloß Rundale
Militärgefängnis in Karosta
Von dort fuhren wir weiter nach Ziemupe – allein schon der Name brachte uns zum Lachen – wo zwei Campings sein sollten. Den ersten gab es nicht mehr. Der Weg zum zweiten Camping endete bei einer Straße in den Wald mit Fahrverbot. Wir fuhren ein Stück rein und fragten einen Mann der gerade mit seinem Hund spazieren ging, ob dort hinten tatsächlich noch ein Camping sei. Er bejahte und wir fuhren weiter. Nach einigen hundert Metern sahen wir tatsächlich andere Autos und ein paar Hütten und viiieeel Wald. Wir setzten uns zuerst mal an den langen weißen Sandstrand und genossen den Ausblick aufs offene Meer. Danach machten wir uns auf, um den Besitzer des Campings zu finden und uns einen Platz zum Zelt aufstellen zu suchen. Er lebte mit der Familie im Wald – Teil eines Nationalparks – und sprach gut englisch, da er einige Zeit in London gearbeitet hatte. Er zeigte uns das Zeltgelände und wir staunten nicht schlecht, denn das war ziemlich der ganze untere Teil des Waldes in Strandnähe. Wir konnten mit dem Auto durch den Wald hinfahren (keine Straße mehr) und fanden bald eine gute Stelle: neben einem Lagerfeuerplatz, nicht so weit weg von den Plumsklos und weit und breit kein anderer Mensch. Wir genossen es, es war wie ein kleines Stück vom Paradies. Zumindest die ersten beiden Tage, denn am dritten hat es nur geschüttet – und bei strömenden Regen ist auch der schönste Zeltplatz eine Herausforderung. Am ersten Abend kam uns ein Fuchs besuchen. Und zwar ein ganz frecher. Zuerst hat er aus unserem Mist was gestohlen, lief davon und kam bald wieder. Unsere Stirnlampen störten ihn nicht und er schlich weiter herum, um noch etwas zu finden. Im Endeffekt warfen wir ein Zigarettenpackerl in seine Richtung um ihn zu verjagen. Der Fuchs ließ sich davon wenig beeindrucken: er schnappte der Packerl und machte sich mit ihm davon. Wir schauten blöd. Nach ein paar Metern ließ er es fallen und verschwand für die Nacht. Aber in den weiteren Nächten kam er uns noch zweimal besuchen. Nach drei Tagen packten wir unser nasses Zelt ein und fuhren weiter. In Liepaja schauten wir uns noch das ehemalige Militärgefängnis Karosta an. Die Führung machte ein älterer Herr mit viel Witz. Er wechselte mühelos zwischen lettisch und englisch und hat den Besuch sehr unterhaltsam gemacht. Ganz Karosta war früher ein Militärstützpunkt mit bis zu 20.000 Soldaten, heute leben ca. 6.000 Menschen im Ort. Das Gefängnis war nur für Militärangehörige, nicht für Zivilisten. Die Strafen waren oft nur ein paar Tage lang, jedoch wurden bei Fehlverhalten immer zwei Tage Haft angehängt. Wir verließen das Gefängnis nach unserem Besuch und wir verließen auch Lettland.

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