Auf Entdeckungstour im Elsass

Elsass, Frankreich, Reisen

Reisezeit: Mai 2022

Obwohl ich schon öfters in Frankreich war, hat es bis 2022 gedauert, bis ich einmal etwas länger ins Elsass kam. Diese Region nahe der Grenze zu Deutschland ist bekannt für die gute Küche – eine Mischung aus deftigen Fleischgerichten und Flamkuchen. An Sehenswürdigkeiten hat das Elsass einiges zu bieten, wie viele malerische Dörfer mit Fachwerkbauten, aber auch interessante Städte wie Colmar, Mulhouse und Strassbourg.

Selestad

Wir starteten unseren Frankreich Besuch mit einem Nachmittag in Selestad, einem kleinen Ort der uns bei einem Spatziergang schon die erste Vorahnung der elsasser Architektur gab. Wir aßen am Hautplatz den ersten echten französischen Flamkuchen -mmmh, gut. Am Weg zurück zum Auto deckten wir uns in einem Delikatessenladen noch mit regionalen Käsespezialitäten ein.

Gerardmer

Von dort fuhren wir nach Gerardmer, wo wir unser Zelt am Camping Les Myrtilles aufschlugen und von dort aus Tagesausflüge machten. Der Camping ist sehr naturbelassen und unparzelliert (findet man nicht mehr so oft).Theoretisch wollten wir auch am naheligenden See paddeln, aber das Wetter spielte nicht mit. Die Region rund um Gerardmer ist übrigens ein Mekka für Radsportler, auf den Bergstrassen waren wir so gut wie nie ohne ihre Begeleitung unterwegs und einmal kamen wir mitten in ein Rennen.

Grasse
Georges du Verdon
Lac de Sainte Croix
Moustiers St. Marie
Lacoste
Oppede le Vieux
Pont du Julien
Roussillion
Orange
Avignon
Pont du Gard
Anduze

Bambus-Park bei Anduze

Paris
Lyon
Montpellier
Nimes
Chartres
Carcarsonne
Straßburg
Calais

Écomusée d’Alsace

Auf dem Weg nach Mulhouse machten wir einen Abstecher ins Écomusée d’Alsace, ein kleines aber feines Freilichtmuseum der Region. Wir waren zu einer guten Zeit vor Ort, denn im Elsass brüten viele Störche und auf den Schornsteinen im Museum haben wir einige Nester mit Storchenfamilien gesehen.

Mulhouse

Zuerst haben wir uns in Mulhouse den Markt am Canal Couvert angehesehen. Ein Straßenmarkt wie man ihn sich vorstellt (für die Markthallen waren wir schon etwas zu spät dran). Danach sind wird durch die tadt flaniert und Richtung Hauptplatz spaziert.

Dort steht das Rathaus von Mulhouse, das schon mal wegen seiner Farbe auffällt. Der echte Hingucker ist aber die aufwändig gestaltete Fassade, denn alles was hier sichtbar ist, ist nur aufgemalt.

Mulhouse war in der Vergangenheit ein Zentrum des Textildrucks, der auch die Industrialisierung in der Region auslöste. Bis heute sieht man eine Textildruckereien in der Umgebung. Von 1871 bis 1914 gehörte die Stadt zu Deutschland.

Fachwerk at its Best -Keysersberg und Riquewhir

Keysersberg war der kleinste dieser 3 Orte, die wir besuchten weil sie durch die Fachwerkbauten typisch für das Elsass sind. Hier ist man wirklich schnell durch, entdeckt dabei aber neben den Fachwerkhäusern auch einige nette Geschäfte und gute Restaurants.

Riquewhir ist etwas größer und im Zentrum sehr touristisch. Aber die Farbenpracht der Fachwerkbauten und der Gesamteindruck der Hauptstrasse haben mich begeistert. Ich glaube ich war noch nie in so einem bunten Ort. Übrigens ist fast jedes zweite Haus in Riquewhir ein UNESCO-Kulturerbe.

Wenn man nur für einen typischen Ort Zeit hat, dann sollte man Riquewhir besuchen.

Colmar

In der drittgrößten Stadt des Elsass haben wir nur einen Nachmittag verbracht. Ausnahmsweise stand Kultur ganz oben auf der Liste, denn ich wollte unbedingt den Isenheimer Altar aus dem 16. Jahrhundert im Unterlinden-Museum sehen.

Nachdem das erledigt war, verschaffen wir uns mit dem Bummelzug einen ersten Überblick über die Stadt. Auch hier finden sich einige der typtischen Fachwerkbauten. Das auf Französisch Petite Venise („Klein-Venedig“) genannte Viertel besteht aus sehr schönen Häusern und Brücken. Das Viertel grenzt an das ehemalige Gerberviertel (Quartier des Tanneurs), das ein ebenso einheitliches, wenn auch schlichteres Bild als die Innenstadt aufweist. Colmar gehört von 1940 bis 1945 zu Deutschland.

Hochkönigsburg

Diese Burg, die mitten in den Vogesen auf einem Hügel thront, ist eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten in der Region. Bereits im Mittelalter begann der Bau, und über die Jahrhunderte wurde imer wieder Um- und Zubauten vorgenommen. Bis ins 20. Jahrundert erlitt sie aber immer wieder auch Schäden.

Von 1901 bis 1908 nahm sich Kaiser Wilhelm II. Der Burg an (zu der Zeit gehörte das Gebiet zu Deutschland) und startete die Renovierung. Diese bezahlte er teilweise privat und ließ sie mit, zu damaligen Zeit, modernsten Mittel wie einer Transportbahn, elektrischen Kränen und Generatoren durchführen. Von diesen Arbeiten sind einige Fotos ausgestellt und man kann sich gut vorstellen, wie die Bauarbeiten durchgeführt wurden. 

Der Rundgang in Hochkönigsburg beginnt schon beim Zugang durch die Befestigungsanlagen zur Burg und ist informativ und kurzweilig gestaltet. Sowohl die Aussen- als auch die Innenräume können besichtigt werden. Vor der Burg gibt es ein Bistro mit super Aussicht über die Region.

Übringens in Malaysia, 60 km nordöstlich von Kuala Lumpur, steht in den Berjaya Hills eine – sehr freie – Nachbildung der Burg als Luxushotel.

Strasbourg

In Straßburg haben wir im sehr kreativ gestalteten Hotel Graffalgar übernachtet, sogar die hauseigene Garage war voller Gaffitis. Für Strassburg kann man sich ruhig ein paar Tage Zeit nehmen, die Stadt bietet viel und lädt dazu ein immer wieder eine Pause in einem der vielen Gastgärten zu machen. Immer unterbrechen Fachwerkhäuser die Fassadenreihen in den Straßen.

Münster

Am beeindruckensten war für mich das Strassburger Münster. Es taucht recht unvermittelt am Münsterplatz/Place de la Cathédrale auf und dominiert den Platz. Die Fassade ist so detailreich gestaltet, das sich immer neue Details finden lassen.

Auf einer Ecke des Platz steht das Haus Kammerzell, das älteste Haus Strassbougs aus dem Jahr 1467.

Bootstour bis zum EU-Viertel

Wir haben auch eine Bootstour durch die Stadt gemacht, eine gute Alternative zu den üblichen Hop-on Hop-off Bussen. Die Tour führte bis ins EU Viertel der Stadt, wo unter anderem folgende Institutionen angesiedelt sind: Europäisches Parlament, Europarat, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte und Internationales Institut der Menschenrechte (IIDH).

Auch die Zentrale von Arte, dem deutsch-französischer Fernsehsender, findet sich hier.

Alte Befestigungsanlage

Während der Bootsfahrt kamen wir auch zu den noch bestehenden Teilen der alten Befestigungsanlagen,wie den drei Türme der Gedeckten Brücken (Ponts couverts), Teil der ehemaligen Stadtbefestigung am Eintritt der Ill in das Stadtzentrum.

Der Befestigungsbau änderte auch das Antlitz der Stadt. Während früher Fachwerkhäuser vorherrschten, wurden ab diesem Zeitpunkt vorwiegend rote Sandsteinhäuser gebaut, denn das Material wurde von einem neu erschlossenen Steinbruch für den Bau der Wehranlagen in die Stadt gebracht.

1964 begann die Stadt Straßburg einen Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, die Reste der Citadelle (Zitadelle), in einen Park umzuwandeln. Das Parkgelände umfasst 11 ha und liegt am süd-östlichen Rand der Innenstadt, an einem alten Kanal, in der Nähe des alten Hafens. Im Gegensatz zu den älteren Parkanlagen wollte man hier einen „natürlichen“ Park schaffen, nicht mit Blumen und Stauden, sondern mit Büschen und Bäumen und Wiesen statt Rasenflächen. Wasserflächen in den alten Verteidigungsgräben und eine Insel bieten Tieren einen Lebensraum.

Vodou Museum

An einem Nachmittag besuchten wir das Vodou Museum – ja, die Schreibweise stimmt, es gibt mehrere Arten von Vodou/Vodoo. Es befndet sich in einem alten Wasserturm, wodurch es gleich doppelt interessant war. In der gut gestaltete Ausstellung tauchten wir in die Welt des Vodous ein und erfuhren durch den Audioguide einiges Neues. Die Infos sind so detailiert, dass man das Museum sicher mehrmals besuchen muss um alles zu verarbeiten. Ausgestellt wurden Ritualgegenstände ebenso wie rituelle Kleidung, dazwischen gibt es immer wieder Stationen mit Filmen. Die Atmosphäre wurde absichtlich düster gehalten, was super zu diesem Museum passt. Mir hat der Besuch sehr gefallen und würde das Vodou Museum in Wien sein, wäre ich sicher öfters dort.

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